Es war einmal ein kleiner Frosch,
den seine Mutter oft verdrosch.
Da faßte er den kühnen Plan,
zu flieh'n in einem alten Kahn.
Er packte Mücken und auch Fliegen
und was er sonst noch konnte kriegen
in einen Koffer, und sodann
trat er die große Reise an.

Er stieß das Boot vom Ufer weg,
sprang dann hinein gar fröhlich-keck.
Er richtet's Ruder, spannt ein Segel,
verteilt Ballast nach Seemannsregel.
Er pfeift ein Lied und fängt alsdann
allmählich einzuschlafen an.
Die Sonne scheint ihm auf den Rücken;
ihn stör'n nicht Fliegen oder Mücken.
  Die Sonne scheint, die Vögel singen,
die Bäume sanft im Winde schwingen.
Die Luft ist voller Glitzerglanz,
die Mücken scharen sich zum Tanz,
die Rehe ruhen und die Hasen,
die denken nicht daran zu rasen.
Die Mäuse und die fetten Ratten,
die liegen in den Hängematten.

Der Kahn indes auf seiner Welle
gerät an eine Stromesschnelle,
an der ein Rabe Wache hält.
Sein Herr hat ihn dort hingestellt.
Sein Herr, das ist der große Lu,
ein buntgefleckter Kakadu:
Der große Lu, der will ein Boot,
zu lindern seines Fernwehs Not.
Das Fernweh hat ihm beigebracht
das Mäuschen Micky in der Nacht,
als jedes Tier in jenem Garten
erzählt' von seinen Wanderfahrten,
von Rittern, Räubern und Ruinen,
von Betteln, Bäuchen, Beduinen ...
Nur jene kleine Micky Maus
erzählte von dem Knusperhaus.

"Ein Knusperhaus, was ist denn das?"
So fragte Lu nur so zum Spaß.
"In jenem feinen Knusperhäuschen",
erzählte nun das Micky-Mäuschen,
"da wohnt ein Räuber Hotzenplein
mit einem stubensaub'ren Schwein".
Das Schwein hieß Egon Pipidu.
Und das gefiel dem großen Lu.
 

"Der mächt'ge Zaub'rer Saliman",
erzählte Micky-Maus sodann,
"der kam einst zu dem Knusperhaus,
wo Gretel schaut' zum Fenster raus,
und Hänsel saß auf einer Leiter.
Sie beide prahlten damit heiter,
daß sie die Hexe umgebracht,
in einer lauen Sommernacht."
"Dem Zaub'rer das zu denken gab.
Er griff zu seinem Zauberstab.
Verwandelt Gretel in ein Schwein
und Hänsel in den Hotzenplein.
Dort leben nun die beiden Waisen
und hoffen, daß auf langen Reisen
ein Wand'rer sie einmal besucht.
Sonst bleiben sie verhext, verflucht."
Dies alles wußte Micky-Maus
von jenem fernen Hexenhaus.
Der Kakadu, der große Lu,
der seufzt' und dachte immerzu:
Der Hotzenplein und auch das Schwein,
das könnten meine Kinder sein.
So faßte er den festen Plan,
zu treten eine Reise an.

Doch fand er sich in einer Not:
Ihm fehlte ein geeignet' Boot.
So trug er es dem Raben an,
Ausschau zu halten nach 'nem Kahn.
Der Rabe sah nun unser Boot,
auf dem der Frosch noch schlief wie tot.
Er pfiff nach einem Alligator.
Der lenkte schnell das Boot ins Schilfrohr.

Als unser Frosch nun wurde wach,
befand er sich schon unterm Dach
von Lu's gewaltigem Palaste.
Und als er an den Kopf sich faßte,
erstaunt die Tiere um ihn fragte:
"Was ist denn das hier?" so er quakte,
da trat der große Lu heran
und fing dann so zu sprechen an:

"Hier diese liebe Micky-Maus,
die weiß von einem Knusperhaus,
das hinter fernen Sümpfen liegt,
die man allein per Kahn besiegt.
Ich bitt' Dich, leihe mir Dein Boot
und hilf mir doch in meiner Not.
Ich muß zum Hotz und auch zum Schwein,
das könnten meine Kinder sein."

Der Frosch ward stutzig. Denn, nanu,
was sagt denn dieser Kakaku?!
Die Augen auf dem Kopf ihm rollen,
es scheint, der Frosch tät allen grollen.
In Wahrheit aber dacht' er nur:
Tja, meine eig'ne Froschnatur,
die hatte ich doch nicht schon immer ...
Ich weiß von fernem Kindsgewimmer ...

So traten beide mit dem Kahn
die lange Reise nachts schon an.
Nach vierzehn Wochen langer Fahrt
der Lu zuerst das Haus gewahrt.
Sie landen an dem Kieselstrand.
Da kommt auch schon das Schwein gerannt.
Es grunzt und ringelt mit dem Schwanz,
vollführet einen Schweinetanz
.
Geleitet sie alsdann zum Haus,
der Hotz schaut schon zum Fenster raus.
Und Hotzenplein scheint erst erstaunt,
hat dann dem Schwein was zugeraunt.
Das quiekt alsbald: "Haha, wie fein,
das wird doch wohl nicht möglich sein.
Das kann doch nicht die Wahrheit sein.
Wer küßt denn schon ein fettes Schwein!"

Was war geschehn? - Der Hotzenplein,
der hatte seinem saub'ren Schwein
ins Ohr geflüstert von 'nem Traum,
den hatte er erinnert kaum:
Ein Kakaku, ein Hotzenplein,
ein Frosch und auch ein saub'res Schwein,
die war'n beisamm' im Haus am Fluß.
Und alle gaben sich 'nen Kuß.

Zuerst küßt' Hotzenplein das Schwein,
da wurde er zum Hänselein.
Dann trat der große Lu heran,
schon wurde er zum Menschenmann.
Und als der Frosch das Schwein geküßt,
da rief er: "Du die Gretel bist!"
Und als verwandelt war die Sau,
da ward der Frosch zur Menschenfrau.
Wie die Geschicht' zu Ende geht,
nun jedes Kind gar leicht versteht.
Sie konnten es erwarten kaum,
zu küssen sich wie in dem Traum:
Der Frosch, der stürzte auf das Schwein,
und küßte hier und da hinein...
Es wachte auf der arme Frosch,
der träumte, daß man ihn verdrosch.
 
  Der Frosch, Hotz, Lu und auch das Schwein,
das könnte Leo Läufer sein,
der träumte, daß er vorab näßte,
es sei denn, daß ihn NORA PRESSte ...

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