Schwarzwaldhochstraße
Montag, den 29.7.2002
Da hatte ich mich also um 10 Uhr auf den Weg gemacht, um die Geburtsstadt Hermann Hesses aufzusuchen. Oder ich hatte mich auf den Weg gemacht, noch einmal die Schwarzwaldhochstraße zu befahren, die mir im Frühjahr so gut gefallen hatte. Von Saarbrücken aus geht es zunächst nach Saargemünd, dann Richtung Bitche auf der N 62, weiter Richtung Hagenau. Es lohnt sich ein kleiner Abstecher nach Bärentehal.
Vor HAGENAU muß man sich Richtung Baden-Baden orientieren. Wenn man den Rhein überquert, sieht man ganz gut auch im Vorüberfahren die Schleusen: Rechts ist das Wasser höher als links. In Baden-Baden den Hinweisen zur B500 folgen. Es ist nun 12 Uhr und ich schaue mich nach einer Tankgelegenheit um. Der Aufstieg, die Auffahrt zur Höhenstraße ist faszinierend. Oben ruhiges Kurvenfahren und ab und zu Kahlschlag von den Stürmen im Jahre 1999.
Das Bike vor den kahlen Bäumen ist für den Biker ein Muß. Also dann:
Ich halte mich Richtung Freudenstadt und dann Richtung Calw. Ich möchte sehen, wie die Geburtsstadt Hermann Hesses tatsächlich aussieht. Man hat ja in diesem Jahr einiges Häßliche gelesen...
Bevor ich mir die Stadt ansehe, suche ich nach einem bikerfreundlichen Restaurant. Der Grillmeister erscheint mir angemessen, zumal Hermann Hesse den Eindruck erweckt, er wolle mich dahin einladen. Der Döner-Teller zu 6.30 und das kleine Cola zu 1.50 waren dem Meister angemessen.
Dann wandere ich weiter mit dem Meister Richtung Hermann-Hesse-Platz, den man im Hingtergrund sieht. Es hat fast den Anschein, als sei die Kapelle links von dem Haus rechts abgetrennt worden. In Calw soll wohl das Profane und das Sakrale streng getrennt werden. Auf dem Hesse-Platz dann eine Überraschung. Des Meistes Worte prangen an einer Häuserwand!
"Es gibt nur diesen einen Ort auf der Erde, wo mir jede winzigste Winkel ganze Scharen von lebendigen Erinnerungen entgegenwirft, wo jedes Plätzchen in jeder Gasse für mich etwas Erlebtes, Entbehrtes, Unverlierbares ist und noch einen Nachglanz jenes fabelhaften, reichen, leidenschaftlichen Lebens an sich trägt, das ich als Knabe hier gelebt habe. -Hermann Hesse"
Was veranlaßt die Sarah-Moden zu glauben, sie hätten etwas mit den Leidenschaften Hesses zu tun? Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Hesses Glanz fällt auf diese fabelhaften, reichen(=teuren), leidenschaftlichen (=sexy) Leibchen oder Kopftücher. Das Geschäft nebenan verkauft Unterwäsche, rabattmäßig:
Na ja, die Rückfahrt über Bad Wildbad, Baden-Baden, Kandel, Pirmasensrücken, Homburg. Insgesamt circa 500 km. Ich habe noch eine Zigarrenpause gemacht hinter Bad Bergzabern. Sobald ich auf dem einsamen Parkplatz anhielt, stürzte die einzige Kleinfamilie zu ihrem Auto und fuhr davon. Hinter Pirmasens eine durchbrochene Leitplanke, davor frische Blumen und Kerzen, die das Ende einer Bremsspur bedecken. Gegen 20 Uhr bin ich zu Hause.
Gerade noch rechtzeitig, um im Garten die Blumen zu wässern.
Übrigens, auf dieser Seite ist ein sanfter Anachronismus versteckt.
Wer ihn findet, erhält eine kleine Anerkennung.dr.faustus@t-online.de